Grenzverhandlungen. Dynamiken von Markierung und Überschreitung
11. – 13. März 2027
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Das X. Forum Kunstgeschichte Italiens ist auf Initiative von Prof. Dr. Valeska von Rosen 2027 in Düsseldorf geplant.
Organisation: Anna Magnago Lampugnani, Astrid Zenkert, Valeska von Rosen
Grenzen sind präsenter und umstrittener denn je. Während im politischen Diskurs oft ein Alltagsverständnis von Grenzen als starre Demarkationslinien (zwischen Staaten, Ideologien, Haltungen, etc.) dominiert, rücken die Geistes- und Kulturwissenschaften Konzepte der Fluidität, Vernetzung und Hybridität in den Fokus. Globale, postkoloniale und posthumanistischen Ansätze stellen die tradierten Logiken territorialer, epistemischer und ontologischer Grenzen auf den Prüfstand. Im Spannungsfeld dieser gegenläufigen Tendenzen von rebordering und debordering ist die Auseinandersetzung mit der Komplexität von Grenzen dringlicher denn je.
Vor diesem Hintergrund wollen wir im X. Forum Kunstgeschichte Italiens die Grenze als Gegenstand und theoretische Kategorie des Fachs neu befragen. Welche Potenziale und Perspektiven kann die Kunstgeschichte, und speziell die Italienforschung, in die aktuellen wissenschaftlichen „Grenzverhandlungen“ einbringen?
Zum einen untersucht die Kunstgeschichte materielle Grenzen visueller Artefakte, etwa Konturen, Rahmungen oder architektonische Trennlinien (borders), und verknüpft sie mit sozialen, politischen, religiösen oder kunsttheoretischen, also immateriellen Grenzziehungen (boundaries). In diesem Prozess setzt die Disziplin zugleich neue Grenzen, indem sie bestimmte Räume, Objekte und Deutungsperspektiven zugunsten etablierter Gegenstände und Kategorien ausschließt. Zum anderen fungiert Kunst in vielerlei Hinsicht als Medium der Grenzüberschreitung. Die aktuelle kunsthistorische Forschung untersucht die Grenze weniger als statische Barriere denn als dynamisches Agens: Normverstöße, mediale Transgressionen und Gattungsüberschreitungen machen die Grenze als produktiven Ort der Aushandlung, Transformation und künstlerischen Innovation begreifbar. Die Erforschung von Schwellenräumen und deren ritueller oder performativer Funktion hebt die Grenze als Zone des Übergangs und der Neukonfiguration hervor. Transfers und Hybridisierungen von Bildsprachen akzentuieren die verbindenden und generativen Aspekte von Grenzen.
Welche Grenzen aber setzen wir als gegeben voraus, indem wir Prozesse der Überschreitung beschreiben und wo halten wir dabei unbemerkt an verkrusteten Grenzkonzepten fest? Welche Perspektiven können durch die Tendenz zur „Verflüssigung“ verstellt werden?
Das Thema „Grenzverhandlungen“ fordert auch dazu heraus, grundsätzlich darüber nachzudenken, wo die Grenzen unserer Disziplin verlaufen, welche Formen der Überschreitung sie ermöglichen und welche sie blockieren. Nicht zuletzt stellt sich für dieses Forum immer wieder die Frage nach den – geographischen und temporalen – Binnengliederungen unseres Fachs und den damit verbundenen Grenzziehungen. Inwiefern lässt sich angesichts der wachsenden Bedeutung globaler und transkultureller Forschungshorizonte die Italienforschung fruchtbar machen?
Ansprechperson
Prof. Dr. Valeska von Rosen
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Kunstgeschichte
Universitätsstraße 1
40225 Düsseldorf
E-Mail: vonrosen@uni-duesseldorf.de
